2. Böschemer Altweiberfasching

Ob sie nun wirklich Gloria hieß, die Bauarbeiterin mit der pumucklroten Perücke aus Sasse (Wüstensachsen), wurde nicht bekannt, jedoch schlenderte sie mit ihren vier Begleitern etwas ziellos über den unteren Marktplatz der Rhöner Fosenochtshochburg.

„Wir wollten uns hier mal umschauen“, klang es etwas enttäuscht, denn es schien rein gar nichts los zu sein – im berühmten Bischofsheim in der Rhön. Tja, wenn man  den Maumermusikanten aus dem Weg geht, mag das so sein. Aber kurz darauf, nach einer Schnelleinweisung durch Localguides, hatten sie es sich beim Chinesen mit einem Bierchen bequem gemacht und genossen das tolle Treiben.

Platz ist in der kleinsten Hütte!

Diesmal waren schon zu Beginn an der Fastnachtsgasse richtig viele Fosenöchter im Fahrwasser der Maumerkapelle unterwegs. So verwunderte es nicht, dass so manch kleines Lokal das fröhliche Volk kaum fassen konnte.

Die Jungs aus Hammelburg und Umgebung – mehr gaben sie nicht preis – kommen seit 1985 zusammen zum F-K-K nach Böscheme: zum Fasching, zum Kreuzberg und zum Krug führt sie ihr alljährlicher Ausflug, den keiner missen möchte. „Mir sin´ bestimmt die allerälteste Gruppe, die hierher kommt“, waren sich die Herren im Alter von 45 bis 70 Jahren sicher. Sicher war ja mal die Rente, aber auch das hat sich als Trugschluss heraus gestellt. Nichts desto trotz schwangen sie kräftig das Tanzbein und genossen den Abend bei Rhön Rabatz in der Rhönlust. 

Unterwegs auf historischen Pfaden

Eine ziemlich lange Anreise nahmen die Preußischen  Soldaten in Kauf. In prächtig blauen Uniformen und Pickelhauben stachen sie zwischen all den Maskierten deutlich hervor, die langen Säbel verfingen sich nicht selten in Röcken und eckten in Türrahmen an. War das Programm?

„Der letzte Kampf zwischen Bayern und Preußen fand in Bad Kissingen statt, kaum 30 km von hier entfernt“, startete Paul, kaiserlicher Pressesprecher, seine Kampfansage. Nach persönlicher Bestätigung durch seinen Kaiser wurde er vom Obermaumer akkreditiert. Die zackigen Soldaten nahmen die Eroberung der Tanzfläche in Angriff. 

Laut Insiderinformation ist es ihr Ziel, sich im nächsten Jahr bei einer Maumer-Faschingssitzung zu präsentieren, erste Kontakte wurden geknüpft.

Hospitanten aus dem Hessischen

Zu späterer Stunde fand sich auch die Sassemer Gloria (nennen wir sie mal so) wieder zwischen den fröhlich Feiernden. Es stellte sich heraus, dass sie und ihre Begleiter an den weiteren Böschemer Fosenochts-Pflichtterminen nicht kommen können. Demnächst stellen sie nämlich selber einen Altweiberfasching auf die Beine und hatten sich wohl in Bischofsheim noch einige Anregungen geholt.

Aber gerne! Die Böschemer leisten doch gerne Entwicklungshilfe für hessische Randbezirke.

Übrigens öffnet am dritten und vierten Altweiberfasching das Maumereck ebenfalls seine Tür und wird zu einer weiteren Station für den Nachtumzug der Maumerkapelle und ihrer närrischen Begleiter.


Barbara Enders